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Heavy Metal F.A.K.K. 2
USA 1999
Regie: Michael Coldewey, Michel Lemire
Buch: Simon Bisley, R. Payne Cabeen, Kevin Eastman, Carl Macek, Eric Talbot
ca. 85 Minuten / Widescreen / ab 18 Jahren
Columbia TriStar Home Video
In naher Zukunft steht F.A.K.K. (Federation Assigned Ketegonic Killzone) für verwüstete Planeten und Regionen, die eine Todeszone für alle Lebewesen aus Kohlenstoff darstellen. Alle Space-Piloten sind angehalten, sich von diesen Gebieten fernzuhalten. Aus Schutz vor Übergriffen hat sich der idyllische Planet Eden als F.A.K.K. 2 getarnt – vergeblich! Denn der zum interplanetaren Oberschurken mutierte Tyler findet hier den Schlüssel zur Unsterblichkeit. Auf der Suche nach der legendären Kammer des ewigen Lebens entkommt seiner Zerstörungswut niemand – außer der Kampfpilotin Julie. Ihre Schwester Kerri gerät allerdings in Tylers Gewalt. Julie schwört Rache – und jagt den Erzbösewicht durch die ganze Galaxis. Ein finales Duell wird über das Schicksal vieler entscheiden!
Sex, Action und ein rasanter Soundtrack begleiten diese Mission durch die Weiten des Alls. Ein erstklassig animiertes Abenteuer, ein Muss für alle Sci-Fi-Fans!

Heavy Metal
von Heiner Lünstedt
Das Comicmagazin
1974 gründeten Jean-Pierre Dionnet und Bernard Farkas gemeinsam mit den Zeichnern Philippe Druillet und Jean Giraud alias Moebius alias Gir eine Gruppe namens Les Humanoide Associés (die Humanoiden-Gesellschaft). Kurz darauf starteten sie ein neues Comicmagazin namens Metal Hurlant (schreiendes Metall), das sich hauptsächlich der Science Fiction und Fantasy widmete. Ganz im Gegensatz zu Comicmagazinen wie Pilote oder Tintin, zu deren gestrengen inhaltlichen Vorgaben und Ausrichtungen die “Humanoiden“ eine Alternative suchten, richtete sich Metal Hurlant ausschließlich an Erwachsene und ist somit für Jugendliche natürlich besonders interessant. Das Magazin erschien zunächst alle drei Monate. Doch aufgrund des großen Erfolges wurde bereits nach sechs Nummern auf zweimonatliche und kurz darauf auf monatliche Erscheinungsweise umgestellt.
Dieser Erfolg Pic00119kam etwas unerwartet, denn die Künstler hatten bei der Gestaltung ihrer Geschichten völlige Freiheit und nahmen auch keinerlei Rücksicht auf Comic -Traditionen. Nicht selten standen die dürftigen oder möglicherweise überhaupt nicht vorhandenen Stories in keinem nachvollziehbaren Verhältniss zu den opulenten und richtungsweisenden Zeichnungen. Trotzdem oder gerade deswegen üben die in seltsam konzipierten Wimmelbildern erzählten Abenteuer von Druillets Helden wie Loane Sloane eine schwer zu beschreibende Faszination aus. Noch eine Ecke durchgeknallter (und somit auch beeindruckender) ist der Zyklus Arzach (oder auch Harzac, Arzak, Harzak, Harzakc bzw. Harzach) von Moebius. Hier erlebt ein zipfelbemützter Drachenreiter seltsame wortlose Abenteuer. In die selbe Kerbe schlägt auch Die Hermetische Garage. Hier machte Moebius aus seiner Not als Erzähler eine Tugend. Er machte das Fehlen eines roten Fadens bzw, die vergebliche Suche danach bei den völlig zusammenhanglosen Fortsetzungsabenteuer mit Major Gruber einfach zum wichtigsten Stilelement.Pic00025
Neben Gillon ( Die Schiffsbrüchigen der Zeit), Pichard (Paulette), Tardi (Adele), Enki Bilal, Jean Claude Mézières, Alexis und Caza veröffentlichten auch die Amerikaner Vaughn Bodé und Richard Corben ihre Comics zunächst in Metal Hurlant. Dies führte schließlich dazu, dass Len Mogel, Herausgeber des Satiremagazins National Lampoons, in den USA 1977 mit Heavy Metal ebenfalls ein monatliches Magazin startete. Hier veröffentlichte neben den Franzosen auch Autoren wie Bernie Wrightson, Mike Kaluta oder Howard Chaykin. Die verstärkte Zusammenarbeit mit den Amerikanern führte dazu, dass auch Metal Hurlant fortan zwar mehr plakativen Sex und betont tabubrechende Gewalt enthielt, aber inhaltlich zugleich auch glatter, kommerzieller und weniger überraschend wurde. So erschien etwa auch James Sterankos beeindruckend gestaltete Comic-Adaption des inhaltlich nicht sonderlich innovativen SF-Filmes Outland in Metal Hurlant . Ende der Achtziger ließ dann das Interesse an den Magazinen deutlich nach. Ab 1986 brachte Heavy Metal nur noch alle drei Monate eine allerdings deutlich umfangreichere Ausgabe heraus und Metal Hurlant stellte ein Jahr später sein Erscheinen schließlich ganz ein.
In Deutschland wurden Ende der Siebziger Jahre Geschichten aus Metal Hurlant zunächst im in England gedruckten Hochglanz-Heft Star Fantasy veröffentlicht. Dies wurde bereits nach 5 Ausgaben wieder eingestellt. Dauerhafteren Erfolg hatte ab 1980 das zunächst beim etwas halbseidenen Volksverlag und später bei Alpha erscheinende Magazin Schwermetall. Hier konnten zahlreiche deutschsprachige Comickünstler ihre ersten Gehversuche veröffentlichen. Leider ist es in letzter Zeit, auch bedingt durch die Gerichtsverfahren mit selbsternannten Jugendschützern, leider ziemlich ruhig um das zuletzt recht teuer gewordene Schwermetall geworden.   

coverHeavy Metal - Der erste Film
Eine grüner Kugel als roter Faden
Da National Lampoons mit dem Film Ich glaub mich tritt ein Pferd im Jahre 1978 einen großen Hit landen konnte, wurde dort auch ein Heavy Metal-Film vorbereitet. Leider war es nicht möglich an die Rechte der französischen Comics aus Metal Hurlant zu gelangen, da dort ein bisher immer noch nicht realisierter Film geplant war. Daher wurden vier Comicgeschichten aus Heavy Metal für den Film adaptiert. Drei zusätzliche Stories und eine Rahmenhandlung wurden neu geschrieben. 1981 hatte Heavy Metal – The Movie Premiere. Der vom Ghostbusters-Regisseur Ivan Reitman produzierte und von den Autoren seiner ersten Filmerfolge Babyspeck und Fleischklöpse und Ich glaub mich knutscht ein Elch geschriebene Zeichentrickfilm hinterließ in seiner episodenhaften Machart einen ziemlich gemischten Eindruckdeathstill. Immerhin spielte der 7,5 Millionen Dollar teuere Zeichentrickfilm bereits in seinem ersten Einsatz 20 Millionen Dollar ein. Im Laufe der Jahre wurde der Film darüberhinaus zum profitabelsten Film der Firma Columbia. Als er 1996 erstmals neu bearbeitet auf Video erschien, wurden fast zwei Millionen Tapes verkauft. Besonders schön ist übrigens die mittlerweile auch bei uns erhältliche DVD mit zahlreichen Extras.
  

Hier eine kommentierte Übersicht der einzelnen Episoden. 

Soft Landing
Aus einem Space Shuttle purzelt ein Auto, genauer gesagt ein 1959er Corvette. Der Fahrer trägt einen Astronautenanzug, taucht in die Erdatmosphäre und landet schließlich (sanft) vor einem viktorianischen Haus. 
Dieses Vorspannsequenz entstand nach einer dreiseitigen Comicstory gezeichnet von Thomas Warkentin und geschrieben vom Alien -Drehbuchautor Dan O´Bannon. Regisseur Jimmy T. Murikami, der kurz zuvor den Star Wars- Abklatsch Sador – Herrscher im Weltraum für Roger Corman und später den Zeichentrickfilm Wenn der Wind weht inszenierte, setzte für diese erinnerungswürdige Eingangssequenz auch Realfilmaufnahmen des Autos ein.

Grimaldi
Der Astronaut steigt aus dem Auto und wird von seiner Tochter stürmisch begrüßt. Er hat ihr ein Geschenk mitgebracht. Es handelt sich um eine grüne Kugel, die zunächst Pappi killt und dann das Töchterchen bedroht. Die Kugel hat einige Geschichten zu erzählen. Sie wurde auf einem fremden Planeten gefunden. Dies forderte sofort ein Todesopfer.
Diese ebenfalls sehr kurze Sequenz setzt die Eingangsszene fort und bildet gleichzeitig die Rahmenhandlung des Filmes. Harold Whitaker inszenierte die insgesamt vier im ganzen Film verteilten Sequenzen um das kleine Mädchen und dem grünen Ball in den britischen Halas & Batchelor-Studios. Hier entstand 1954 die George Orwell-Verfilmung Die Farm der Tiere .

Harry Canyon
Der Taxifahrer Harry Canyon wird im futuristischen New York von einer schönen Frau als Beschützer angeheuert. Sie möchte eine gewisse grüne Kugel, die ihren Vater tötete, meistbietend verkaufen. Die Geschichte nimmt nur für Harry ein gutes Ende.
Dieser nur zwölf Minuten dauernde Kurzfilm hat zweifelsohne Blade Runner und in einem noch viel stärkeren Maße Das fünfte Element beeinflußt. Eigentlich sollte die Geschichte The Long Tommorow von Dan O´Bannon und Moebius verfilmt werden, aber die Rechte waren nicht verfügbar. Regisseur Pino Van Lamsweerde, sollte später bei den unsäglichen Glücksbärchis mitarbeiten. Außerdem schuf er mit Asterix bei den Briten den wohl werkgetreusten Asterix-Zeichentrickfilm.

guystillDen
Der unscheinbare 18-jährige Dan findet die grüne Kugel. Er startet hiermit ein Experiment, landet in einer Fantasywelt. Dort wird er zum Helden Den und erlebt tolle Abenteuer mit vollbusigen Frauen.
Regisseur Jack Stokes, der zuvor an Yellow Submarine mitarbeitete, verarbeitet Richard Corbens erfolgreichsten Comic nicht ungeschickt zu einem knapp 15-minütigen Film. Dabei wird mit unterschiedlichem Erfolg versucht, Corbens sehr individuelle lilafarbene Kolorierung nachzuempfinden. Corben drehte übrigens unter dem Titel Neverwhere Anfang der Siebziger zunächst einen Trickfilm mit Den und setzte diesen dann später erfolgreich als Comic mit zahlreichen Fortsetzungen um. 

Captain Sternn
Diesmal verwandelt die grüne Kugel einen harmlosen Entlastungszeugen in einem Gerichtsverfahren gegen den an Superman erinnernden Captain Sternn in ein wütendes Monster, das eine ganze Raumstation zu verwüsten droht.
Leider kann die von Paul Sabella und Julian Szuchopa im Stile der Warner Cartoon inszenierte Adaption eines Comics von Bernie Wrightson nur optisch überzeugen.

Gremlins (auch B-17)
Die grüne Kugel macht Zombies aus den gerade getöteten Besatzungsmitgliedern eines B-17-Bombers. Diese bedrohen den letzten Überlebenden, der schließlich mit dem Fallschirm abspringt und vom Regen in der Traufe landet.
Gremlins entstand im selben kanadischen Trickfilmstudio wie Harry Canyon. Zunächst sollte der Film von kleinen Monstern handeln, die ein Flugzeug zum Absturz bringen. Doch stattdessen drehte Regisseur Barrie Nelson eine Hommage an die EC-Comics, die trotz ihrer nur 6-minütigen Laufzeit zu den beeindruckensten Momenten des ganzen Films gehört. Leider wurde eine einleitende Sequenz weggelassen, in der in beeindruckenden Bildern gezeigt wird, dass die grüne Kugel für alle Greueltaten der Weltgeschichte verantwortlich ist. Diese drei Minuten beeindrucken auch in der Rohfassung stärker als die meisten Episoden des fertigen Filmes und kann zum Glück auf Video und DVD bestaunt werden.

So beautiful and so dangerous
Zwei Ausserirdische, die gewaltige Mengen von Drogen durch ihre Rüssel einsaugen, entführen eine Sekretärin des Pentagons. Diese trägt ein Medaillon mit einer kleinen grünen Kugel und verliebt sich in den Bordroboter.
Auch diese Episode entstand in den britischen Halas & Batchelor-Studios unter der  Regie von John Halas. Sie basiert auf dem gleichnamigen Comicheadstill von Angus McKie, der auch zahlreiche der Hintergrundgemälde anfertigte. Obwohl Comiclegende Neal Adams am Figurendesign mitwirkte, ist dieser oft an die Cheech und Chongs Kifferklamotten erinnernde Beitrag, trotz teilweise toller Bilder, inhaltlich wohl der Dürftigste des ganzen Filmes.

Taarna
Die grüne Kugel bringt einen Vulkan zum Ausbruch und verwandelt durch Schleimlava harmlose Menschen in eine grausame Armee. Die letzte Hoffnung ist die Drachenreiterin Taarna. Der Abschluß der Geschichte läßt das kleine Mädchen aus der Rahmenhandlung zur neuen Taarna werden.
Diese fast halbstündige Episode von John Bruno ist wohl der erinnerungswürdigste Beitrag des ganzen Filmes. Zur tollen Musik von Elmer Bernstein (sein symphonischer Soundtrack gehört endlich veröffentlicht!) fliegt Taarna genau wie in Moebius Arzach auf einem Drachen über eine zerklüftete Landschaft. Anschließend läßt sie sich ganz viel Zeit beim Anlegen ihrer Rüstung.


szene03Heavy Metal F.A.K.K. 2
Der neue Film mit einer “echten“ Heldin
Da die letzte und längste Geschichte um die Drachenreiterin Taarna allgemein als die beste Episode von Heavy Metal – The Movie gilt, ist es nicht unlogisch, dass die Fortsetzung eine durchgehende Geschichte rund um eine attraktive und sehr wehrhafte Amazone erzählt.
Der Film setzt auch wieder die grüne Kugel ein. Durch diese wird der szene04Minenarbeiter Tyler zu einem machtbesessenen Wahnsinnigen. Er kapert ein Raumschiff und greift einen friedlichen Planeten an, der sich als lebensfeindliche Zone F. A. K. K. (Federation Assigned Ketogenic Kilzone) tarnt. Dabei werden bis auf zwei Frauen alle Bewohner umgebracht. Die Lehrerin Kerrie, wird von Tyler verschleppt . Ihre Schwester Julie, nennt sich fortan F. A. K. K. 2 versucht Kerrie zu befreien und schwört Rache. szene13
Die Heldin des Filmes heißt nicht ganz zufällig Julie, denn eine gewisse Julie Strain stellt für diese Rolle nicht nur ihre Stimme zur Verfügung, sondern auch ihr Luxuskörper diente den Zeichnern des Filmes als Vorlage. Julie Strain hatte zwar auch schon kleinere Auftritte in A-Movies wie Bugsy oder The Doors, aber ihr Haupttätigkeitsfeld sind doch Filme wie Bikini Squard, The Rowdy Girls, Bare Wench Project oder Bimbo Movie Bash. Schließlich ist sie ja auch die selbsternannte Queen of the B-Movies
szene02Die Vorgeschichte zum Film begann bereits 1991. Damals kaufte Kevin Eastman, der Miterfinder der Teenage Mutant Ninja Turtles, das Heavy Metal-Magazin. Zwei Jahre später schuf er hierfür gemeinsam mit Simon Bisley und Eric Talbot eine Comicstory namens Melting Pot. Kurz darauf lernte er auf einer Comic Convention Julie Strain kennen. In ihr sah er die fleischgewordene Heldin seiner Comic-Vision. Folglich heirateten die Beiden dann später. Eastman entwarf Kostüme und ließ Fotos von einer knapp und enganliegend bekleideten Julie anfertigen, die mit schweren Waffen hantiert. Diese Bilder nutzte er als Inspiration für den Film. trixter07
Mit der Ausführung des Filmes beauftragte Eastman neben Michel L. Lemire, der bereits an Heavy Metal - The Movie mitgearbeitet hat, noch Michel Coldewey als Co-Regisseur. Dieser inszenierte Die Furchtlosen Vier, eine modernisierte Filmversion der Bremer Stadtmusikanten. Der Film sorgte als erstaunlich gut gelungene Kombinationen zwischen konventionellem Zeichentrick und Computeranimation für Furore. So entstanden für F.A.K.K. 2
die 2D Animationen bei der kanadischen Firma Ciné-Group, während Coldeweys Münchener Firma Trixter die atemberaubenden Raumschiff-Animationen gestaltete. 
Beim ersten Heavy Metal-Film war auch die Musikauswahl wichtig für den Erfolg des ganzen Unternehmens. Damals steuerten u. a. Devo, Blue Oyster Cult, Nazareth, Stevie Nicks, Journey, Cheap Trick und Black Sabbath Songs zum Film bei. Die komplizierte Rechtslage an der Nutzung all dieser Lieder führte übrigens dazu, dass der Film so lange nicht auf Video erschien. Ganz so hochkarätig geht es bei Heavy Metal F.A.K.K. 2 mit Interpreten wie Bauhaus, Pantera oder Zilch dann doch nicht zu. Immerhin schrieb kein geringerer als Billy Idol nicht nur den Song Buried Alive, sondern er sprach in der Originalversion des Filmes auch noch Odin, den gesichtslosen Regenten des heiligen Landes und Bewacher der Kammer der Unsterblichkeit.  
trixter09Heavy Metal F.A.K.K. 2 läuft bei uns seit dem 4.Mai in den Kinos. In den USA ist er im Juni zunächst unter dem Titel Heavy Metal 2000 im Kabel-TV zu sehen. Dies hängt jedoch nicht mit der Qualität zusammen. Kevin Eastman hat es abgelehnt, den Film so umzuschneiden und vertonen, dass er eine Freigabe ab 13 bekommt. Nach der TV-Ausstrahlung soll Heavy Metal F.A.K.K. 2 jedoch in den US-Kinos laufen, allerdings erst freigegeben ab 18 und wohl eher in Spätvorstellungen.  HL